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:: Music & Science 1 - Frühling unterm Eis

Artists: Jens P. Carstensen, Lars Kindermann
Pressetexte: -

Music & Science 1 - Frühling unterm Eis
Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und Unerhört im Rahmen Stadt der Wissenschaft soll dieses Folgeprojekt Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, analytisch erkannte Strukturen in einen musikalischen Kontext zu übersetzen. Dabei arbeiten Künstler und Wissenschaftler eng zusammen. Zum Auftakt dieser Reihe stellt der Physiker Lars Kindermann Klänge aus der Unterwasserwelt der Antarktis vor.

Nahe der Atka Bucht im Südlichen Ozean liegt PALAOA, die submarine Messstation der AWI Forschungsgruppe Ozeanische Akustik. Mehrere Hydrophone (Unterwassermikrofone) zeichnen seit einem Jahr die Klänge der Antarktischen Unterwasserwelt unterhalb des 100 Meter dicken Eisschildes auf. In dieser, von menschlichem Lärm so weit wie nur irgend möglich entfernten Gegend tauchen wir in eine Unterwasser - Klanglandschaft ein, die von Wellen und Wind, Eis und den Lauten der Meeresbewohnern bestimmt ist.

In dem künstlerischen Projekt werden die Bedingungen des Hörens über bzw. unter Wasser thematisiert. Die von den Meeressäugern ausgesendeten Klänge dienen unter anderem der Orientierung unter Wasser. Das menschliche Ohr könnte unter Wasser diese Klänge wohl hören, sie aber nicht in ihrer Richtung unterscheiden. Die Unterwasserwelt ist für das menschliche Ohr eindimensional.

In der Zusammenarbeit zwischen Lars Kindermann und Jens P. Carstensen werden ausgesuchte Klänge aus dem täglichen Datenstrom zwischen der Neumayer Station und dem Alfred-Wegener-Institut mittels eines Mehrkanalsystems in eine Raumklang - Installation im "AWI-Dom" übersetzt. Der Awi-Dom erstreckt sich über 3 Etagen und befindet sich im Herzen des Gebäudes an der Columbusstraße.

Das klangliche Ergebnis wird als "Unterwasserlounge im Eismeer" am Donnerstag, 30 November ab 17 Uhr im Alfred-Wegener-Institut unter warmen und gemütlichen Bedingungen zu erleben sein.

Hintergrund

Die Forschungsgruppe Ozeanische Akustik, bestehend aus Wissenschaftlern der Biologie, Physik, Geophysik, Ozeanographie und Neurowissenschaften nahm im Jahr 2004 am Alfred Wegener Institut ihre Arbeit auf. Die Forschung konzentriert sich gegenwärtig auf mögliche Auswirkungen anthropogener Schallemissionen auf marine Säugetiere, insbesondere Robben und Wale in der Antarktis.

Wesentliche Forschungsvorhaben beschäftigen sich dabei mit dem möglichen Einfluss wissenschaftlicher Sonare und Luftkanonen (Air-Guns) auf die Physiologie, das Verhalten und die Verbreitung von Meeressäugern. Zu diesem Zweck werden neue Methoden zur Präsenzermittlung, Identifikation und Lokalisation mariner Säugetiere sowie neue Technologien zur Minimierung des Schalleintrags in ihren Lebensraum entwickelt.

Wissenschaftlicher Hintergrund: Marine Säuger erzeugen Unterwasserlaute, mit deren Hilfe sie kommunizieren, navigieren und Nahrung aufspüren. Der Einsatz autonomer akustischer Messsensoren eignet sich daher gut zu deren Beobachtung und ist im Gegensatz zur visuellen Beobachtung auch in den polaren Wintermonaten möglich. Die Tiere sind von einer permanenten natürlichen Geräuschkulisse umgeben, die in Polargewässern vor allem von der Bewegung des Eises dominiert wird. Mit akustischen Langzeitaufnahmen können somit neben der Beobachtung von Meeressäugern weitere Fragestellungen untersucht werden. Hierzu zählen Intensität und zeitliches Auftreten charakteristischer natürlicher und anthropogener Hintergrundgeräusche sowie deren Einfluss auf die Vokalisation mariner Säuger. Hydroakustische Langzeitaufnahmen existieren für die Antarktis bislang nicht.




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