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Artists: Christoph Ogiermann
Pressetexte: -

KLANK

per form #12

KLANK!

Mittwoch, 9. November, 20 Uhr
BiK Galerie 149
Bürger 149
27568 Bremerhaven

Kann ein Klang ein Klang sein und sonst nichts?

Musik ist eigensinnig, ebenso das Instrumentarium der vier Improvisationsmusiker des Bremer Klank-Quartett. Ein Streichquartett-Torso aus Violine und Kontrabass, eine selten so unrockistisch gehörte Gitarre, diverse Alltagsgegenstände, denen Geräusche abgerungen werden, die sie in Küche, Bad und Wohnzimmer selten fabrizieren. Oder sollte man sagen: Hier dürfen sie mal, wie sie wollen?

Als Quartett spielen Reinhart Hammerschmidt, Christoph Ogiermann, Tim Schomacker und Hainer Wörmann musikalische Improvisationen jenseits vorgeblicher Sinnhaftigkeit und zelebrieren das Klangereignis als augenzwickernde Performance.

Die Bremer Musiker sind mit ihrem Zeugquartett bundesweit erfolgreich unterwegs. Zuhause in ihrer Heimatstadt gehören sie zu den treibenden Kräften und Organisatoren der Musikreihe R.E.M. im Museum Weserburg, der Bremer Musiker Initiative (MIB) und der „projektgruppe neue musik“.

KLANK sind:

Reinhart Hammerschmidt – Kontrabass, Zeug;
Christoph Ogiermann – Violine, Stimme, Zeug;
Tim Schomacker – Alltagsperkussion, Stimme, Zeug;
Hainer Wörmann – elektrische Gitarre, Zeug;

Gefördert durch den Bremerhavener Kulturtopf

Hintergrund: http://klank.cc/

2010 realisieren KLANK u.a. das Konzertereignis StadtKLANK (in Zusammenarbeit mit Musik der Jahrhunderte / Zukunftsmusik, Stuttgart): eine performative Komposition für mehrere hundert Spieler verschiedener musikalischer und nichtmusikalischer Ensembles

Auf Anregung von Erwin Koch-Raphael beginnt Christoph Ogiermann 1990 zu komponieren, schreibt seither Musik. Kompositionsstudium an der Hochschule für Künste Bremen bei Younghi Pagh-Paan, Nicolas Schalz, Georges-Nicolas Wolff.

Tätigkeit als Rezitator, Sänger, Geiger und Pianist in den Bereichen Freie Improvisation und europäische Kunstmusiken.

Aufenthalt im Archivio Luigi Nono / Venedig. Gastdozent für Komposition, elektronische Musik und Improvisation in Pitea / Schweden, Edinburgh / Schottland und Queretaro / Mexiko. Gastkomponist am Institut für Elektronische Musik und Akustik Graz, im Studio für Elektronische Musik der Technischen Universität Berlin, im Experimentalstudio des SWR. Stipendiat der Cité des Artes, Paris

Mitglied der projektgruppe neue musik bremen und der Künstlerkollektive TONTO / Graz und Stock 11 / Hamburg. Gründer und Künstlerischer Leiter der Reihe REM für elektronische Musik im Museum für Gegenwartskunst Bremen.

Der Improvisator und Komponist Hainer Wörmann entwickelt und erfindet erweiterte Spieltechniken für elektrische Gitarren mit dem Schwerpunkt mechanische Präparationen. Neben der Solo-CD Lower Rhine Sonata Konzerte unter anderem mit Keith Rowe, John Russel, Phil Minton, John Butcher, Evan Parker und Michel Doneda.

Wörmann entwickelt und erfindet neue Instrumente wie das amplified cardboard (die große Pappe), die er neben Solo-Performances auch in der Video-Sound-Performance the cardboard-project (zusammen mit dem Bildenden Künstler Harald Busch) oder in der Kooperation mit dem britischen Klangkünstler Ben Gwilliam einsetzt.

Als Performer spielt Wörmann immer wieder mit Bildenden Künstler/innen zusammen. Zuletzt in den Projekten at work (mit Anne Schlöpke) und Die Wüste lebt (mit Hans Wilhelm Specht).

Wörmann kuratierte über Jahre die Reihe IMROVISATIONEN der Musikerinitiative Bremen. Seine Texte über improvisierte Musik tragen Titel wie Musik im Zeitalter von Fitness und How Do You Like Silence?.

Reinhart Hammerschmidt studierte Grafik in Trier und Bremen, wo er als freischaffender Grafiker und Musiker lebt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit als Improvisationsmusiker liegt in der Zusammenarbeit mit KünstlerInnen aus den Bereichen Tanz, Film und Literatur.

Finalist der EUROPEAN JAZZ COMPETITION 1987 / mehrmaliger Preisträger des JAZZPODIUMS Niedersachsen (1985, 1987, 1989, 1990, 2002) und des NDR-Hörfest (1985/1986) / Diverse Tourneen im In- und Ausland, unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut (Russland, Italien, Polen, Österreich, Schweiz, Rumänien, Armenien, Belgien und DDR) / FESTIVALAUFTRITTE (Auswahl): Taktlos (Zürich, Basel), Kryptonale (Berlin), Ulrichsberger Kaleidophon, Kyk-Art-Festival (St. Petersburg), Saitensprünge (Radio Bremen), Jazzfest-Bukarest, Jazzfestival Leverkusen, Jazzfestival Archangelsk, Jazz at Moscow, Expo 2000 (Hannover).

Tim Schomacker lebt als Autor, Journalist, Radiomacher, Moderator und Musiker in Bremen.

Kulturjournalistische Beiträge erschienen unter anderem in konkret, taz, jungle world sowie bei Radio Bremen. Als Redakteur entwickelt und betreut er verschiedene Radioformate für kulturg.u.t (Schwankhalle Bremen).

Für das Literaturhaus Bremen realisierte er die Literaturprojekte papierfiguren / Schreiben am Netz (2006) und viertelvorzwoelf (2007, gemeinsam mit dem Autorinnen-Kollektiv Fräulein Schmiss). Als Alltagsschlagzeuger, Vokalist und Klangperformer spielte er in verschiedenen Formationen und ist Mitglied des Improvisations-Quartetts Traurige Tiere (mit C. Ogiermann, L. von Haussen und J. van Hasselt). Als Musiker/Sprecher war er zuletzt am intermedialen Borges-Projekte gelber tiger streift raum und an der musikalischen Annäherung an den chinesischen Dichter Lu Xun where can we go when writing is but dust beteiligt. Mitbegründer von richtig / falsch – offene Bühne für Frei Improvisierte Musik. NORDSEE-ZEITUNG 7_11_11

„Klank“ – in der Galerie 149 ist zur konzertanten Performance angerichtet. Auf einem Tischchen liegen Bögen, Bürsten und Schaumstoffe, eine Glühbirne, ein Schwamm und Schnipsel aus Styropor, Putzwolle, Dosendeckel und zwei weiße Plastikgabeln. Und das ist nur eine von vielen sorgfältig arrangierten Ablagen, Experimente bedürfen eben einer präzisen Anordnung.

Kann ein Klang ein Klang sein und sonst nichts? Dieser Frage ging am Mittwoch im intimen Rahmen der Galerie 149 das Bremer „Klank“-Quartett nach, und die Performer Reinhard Hammerschmidt (Kontrabass, Zeig), Christoph Ogiermann (Violine, Stimme, Zeug), Tim Schomacker (Alltagsperkussion, Zeug) und Hainer Wörmann (elektrische Gitarre, Zeug) führten das Publikum dabei nicht nur durch die Welt der Klänge, sondern streiften auch Himmel und Hölle.

Stampfend und klopfend, raschelnd und knitternd, ächzend und stöhnend wurden tausende von mehr oder weniger angenehmen Geräuschen erzeugt, die sich im An- und Abschwellen bei aller Improvisation immer wieder zu durchdachten Kompositionen fügten.

Die Töne von vier Luftballons, auf denen mit feuchten Fingern gekreist wird, können ebenso wie „singende“ Spachtel durchaus poetisch sein – man durfte diese Performance allerdings nicht nur hören, man musste sie auch sehen. Schomaker schabte auf dem Boden kriechend Kerne zusammen, Ogiermann sorgte mit einem Schneeschieber für archaische Geräusche, Hammerschmidt malträtierte den als Resonanzfläche genutzten Bass mit den Händen oder mit dem Bogen. Allein Hainer Wörmann ließ es gemächlich angehen, strich mit stoischer Ruhe über Plastikverpackungen ober pfriemelte verfremdende Gegenstände unter die Gitarrensaiten.

Ein Hörerlebnis, für das der Galerie 149 und dem Verein für Neue Musik „unerhört“ zu danken ist. Und spätestens bei Tim Schomakers Zugabe mit bisher Ungenutztem bewahrheitete sich einmal mehr Schillers ästhetisches Diktum: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“

Ulrich Müller; Nordsee-Zeitung Bremerhaven, 11.11.2011




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