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:: Wenn sich die Fotorolle um den Hals legt

Event: per form #9 - Kleine Manöver
Zeit: Samstag, 15 November 2008, 18 Uhr,
Ort: BIK Galerie 149, Bürger 149, 27576 Bremerhaven
Artists: Jürgen O.Olbrich
Pressetexte: Wenn sich die Fotorolle um den Hals legt

Pressetext vom 20.11.2008:
Wenn sich die Fotorolle um den Hals legt

Performance in der Galerie 149: Der Künstler Jürgen 0. Olbrich unternimmt „Kleine Manöver“

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Nordsee-Zeitung Bremerhaven (18.11.08), Autor: Norbert Duwe

Der Künstler Jürgen 0. Olbrich ist ein umtriebiger Mensch. „Das Leben ist Kunst genug“ lautet sein Credo, ergänzt durch „Kunst ist da, wo man (speziell Olbrich selbst) sie findet“. In der Galerie 149 präsentierte Olbrich in der abwechslungsreichen Performance „Kleine Manöver“ sich selbst als Beleg für seine Vorstellung von Kunst.

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Da er so viele Absurditäten im Alltag wahrnimmt, möchte er für seine Sicht der Dinge sensibilisieren, jedoch ohne jede Vorgabe: Die Be-Deutung bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen. Olbrich verändert seine Körperlichkeit durch ins Hemd gestopfte dicke Papierknäuel und mutiert dabei Stück für Stück zum grotesk aufgeblasenen „Fremdkörper“, so der Titel. Er versucht eine völlig misslingende Jonglage mit offener Ketchupflasche auf der Nase und Spaghettibündeln in den Händen. „Stumme Liebesgedichte“ nennt er das kurzfristige Atmen in fest über den Kopf gezogenen schwarzen Plastiktüten: Wer hat da nicht die Bilder von Häftlingen oder zum Tode Verurteilten vor Augen?

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Die eher skurrilen Manöver aber überwiegen. Seit 30 Jahren sucht und findet Olbrich fast alle Materialien für seine Aktivitäten um gewaltigen Fundus dessen, was Privatleute, Organisationen und Firmen wegwerfen, vornehmlich bedrucktes Papier. Einen Teil dieser Fundstücke unterzieht er einem künstlerischen Recycling. Das Abwickeln einer Fotorolle aus dem Großlabor vom Hals des Künstlers als Spindel gerät zur minutenlangen kollektiven Beschäftigung fast aller Besucher. Hunderte von Fotos gehen durch die Hände einer sich windenden Menschenschlange: Eine flüchtige maschinelle Bilderflut zieht an den Augen vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen wie im richtigen Leben.

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Pures Vergnügen schließlich bei Olbrichs Komponier- und Musizierbemühen beim chorischen Sprechen von BuchstabenlautKombinationen zufällig gesammelter Autokennzeichen. Wie das geht? So: HBBX BIJ HBZY FCN HND usw. Sehr zu empfehlen für lange Fahrten auf Autobahnen, auch mit Kindern.

Die Videogruppe der Immanuel-Kant-Schule hat „Kleine Manöver“ aufgezeichnet für eine Reihe „Ungewöhnliche Menschen in der Stadt“. Das Leben ist Kunst genug. Eben.

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Jürgen O. Olbrich - Galerie 149 Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen




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