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Event: Unerhoert 71 Durban Poison
Zeit: Di. 25. November 20 Uhr
Ort: Kunstmuseum
Artists: Klaus Burger, Matthias Schneider-Hollek
Pressetexte: Im Museum mit der Tuba

Pressetext vom 28.11.2008:
Im Museum mit der Tuba unterwegs

Konzert von Burger und Schneider-Hollek

Durban Poisson - Kunstmuseum Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

von Ulrich Müller.
Eine Tuba im Kunstmuseum – das kann ja nur dem Verein für Neue Musik „Unerhört“ einfallen. Eigentlich wird bei diesem Instrument bayrische Gemütlichkeit assoziiert, hier wurde nun die Elektronik zum Mitspieler. Während der Weltklasse-Tubist Klaus Burger bei seinem letzten Besuch in Bremerhaven noch gemeinsam mit einem Barockensemble „Alle Lust will Wiederholung“ behauptete, war diesmal bei „Durban Poison“ alles einmalig und neu.

Durban Poisson - Kunstmuseum Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Vor Manfred Holtfrerichs Aquarellen aus der Serie „Blätter“ stand ein Tisch mit Laptop und elektronischen Geräten, hinter dem Matthias Schneider-Hollek vielfältige Töne erzeugte, vermischte oder bearbeitete und so zum ruhenden Pol des Abends wurde. Sein Kollege Burger machte sich nämlich schon recht bald barfuß auf den Weg und marschierte durch die Räume und Etagen, blies dazu auf der Flasche oder trötete auf einer Triton-Muschel, mit der auch gerne brunftige Hirsche angelockt werden. Von irgendwoher pustete irgendetwas heran, Zeit, um sich als Zuhörer vom Stuhl aus mit Franz Erhard Walthers Bild „5 Sockel, 5 Längen, 5 Richtungen“ zu beschäftigen. „Ort“, „Werkdauer“, „Modellierung“ und „Verdichteter Raum“ stand dort zu lesen und als letztes „Richtung ist Form“ – die Gedanken waren unterwegs.

Durban Poisson - Kunstmuseum Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Von unten schallte als Cimbasso-Fanfare ein Thema aus Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ herauf, sogar Balkenhols Mann mit dem Kopf unter dem Arm schien da zu lächeln. Archaische Urschreie auf dem Mundstück der Tuba, „Last“ und „Duldung“ fiel im Bernhard-Prinz-Raum ins Auge. Dann brachte Schneider-Hollek ein wie ein Digeridoo brodelndes Geräusch zustande, Gerhard Richters „Mao“ blickte dazu ebenso weise wie verschwommen.

Durban Poisson - Kunstmuseum Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen

Einzelne Töne zwangen zum genauen Hinhören, mehrere setzen sich zu Stimmungen zusammen, sogar vor der Melodie schreckten die beiden Musiker nicht zurück. Am Ende konnte man Burgers Tuba nicht nur deutlich hören, sondern sogar spüren, denn der gesamte Raum begann zu vibrieren. Auch wenn Kunstvereinsgeschäftsführer Kai Kähler in diesem Moment Angst um die nur lose an den Wänden hängenden Werke bekam – das Konzertexperiment hat sich wirklich gelohnt.

Durban Poisson - Kunstmuseum Bremerhaven; Foto: Susanne Carstensen




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