Musik für Langsaite und Windharfen

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Bunker Valentin

Und da war ein Wind

Wider…
das Leugnen
das Abstreiten
das Relativieren
das Trivialisieren
das Beschönigen

Ein Projekt von Annemarie Strümpfler (Konzeptplanung) in Zusammenarbeit mit Jens Carstensen und Kai Zeller (Klanginstallation)
geplant für 2022/23

Bedingt durch die Exponiertheit des Bunkers Farge am Weserufer und seiner Architektur ergeben sich meist deutlich spürbare Windströme/Wirbel besonders im Außenbereich und in Maueröffnungen. Im Innern dagegen ziehen eher leichte Luftströme durch, akustisch überformt von natürlichen Klängen von Wassertropfen, Vögeln und abhängig von der Windrichtung gelegentlichen Klängen aus der Umgebung.

Das Zusammenspiel dieser vor Ort gegebenen Phänomene- Wind/ Luftströme und klanglichen Phänomene, verdichten sich auch heute noch zu einer Lautsphäre, die wir als akustisches Erbe, als Nachhall jener Zeit verstehen, in der der Bunker entstand. Die Verwandlung einer grünen Wiese eines ländlichen Raumes an der Weser in einen kriegsfördernden Komplex, der untrennbar mit dem Thema der Zwangsarbeit gekoppelt ist.

Das Projekt …“Wider das Leugnen“ betrachtet den Bunker Valentin mit seiner Geschichte als nachhörbaren Raum. Der Bunker und seine heutige dünne akustische Klanghülle aus Windklängen wird zu einem Resonanzraum mit den ihm eigenen charakteristischen akustischen Ereignissen, Raumfrequenzen und Verweisen auf inhaltliche und zeitliche Zusammenhänge.

 

Für Annemarie Strümpfler ist die langjähriger Auseinandersetzung mit dem Bunker Farge , der darüber entstandenen Begegnungen mit ehemaligen Zwangsarbeitern und der aktuell zunehmenden Tendenzen der Leugnung von Naziverbrechen und der Entstehung autoritärer Strukturen initiativ für eine künstlerische Arbeit, die zum Einen die Erinnerung an die Opfer des Systems „Vernichtung durch Arbeit“ wach hält durch die Einbeziehung des Ortes selbst zum Anderen ermöglicht – bezogen auf die heutige Zeit – Wahrnehmungsprozesse zu evozieren , die die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft fördern.

Als „Mann von der Küste“ beschäftigt sich Jens Carstensen in seinen künstlerischen Arbeiten mit dem Thema SONAR. Das Sonar ist in der Schifffahrt ein Verfahren zur Ortung von Gegenständen im Raum und unter Wasser mithilfe ausgesandter Schallimpulse. Die Idee, dass Klänge Menschen bewegen um herauszufinden, wo sie stehen und was als Hindernis auf sie zukommen mag, wird vielfältig in seinen Klanginstallationen durchgespielt.

Die Langsaiteninstallationen spüren in der Architektur (Hallen, Kirchen, Schwimmbäder) den Beziehungen von Klangraum und Eigenresonanzort nach.

Kai Zeller beschäftigt sich mit dem Bau von Windharfen. Für seine Architekturharfen entwickelt er Verfahren, die den Wind von sanft bis stürmisch möglichst gleichmßig in der Dynamik über entsprechende Einströmkanten in den Harfenkörper leiten.

An der südwestlichen Ecke des Bunkers werden 4 Windharfen von 2,5 x1 m installiert.  Im Gegensatz zur Langsaiteninstallation im Innenraum wird der Impuls für das Anschwingen der Saiten alleine durch die vor Ort herrschenden Luftströme ausgelöst bedingt durch die architektonischen Vorgaben und die Windverhältnisse vor Ort. Je nach Windsituation ist der Klang in der Umgebung weitreichend zu hören und verleiht dem Bunker damit eine zusätzliche Stimme.

Quer durch den Raum wird eine Langsaite aus Federstahldraht gespannt – je nach den örtlichen Vorgaben. Sie ruht in einem Dauermagnetfeld. Wird der Saite elektrisch eine Frequenz aufmoduliert, dann wirkt die wechselnde elektromagnetische Feldkraft gegen die des Dauermagneten und die Saite versetzt sich durch diese Kraft in Schwingung.
Je genauer man die Grundfrequenz der Saite oder eine ihrer spektralen Obertöne trifft, desto größer wirkt die Kraft und erhöht die Auslenkung der Saite.
Die Grundfrequenz der Saite wird im Wesentlichen durch ihre Länge bestimmt. Die Grundschwingungen liegen in aller Regel weit (ca 3 Oktaven) unter unserem Hörbereich im Infraschall, können aber deutlich vom Auge wahrgenommen werden. Ähnlich wie bei Windharfen sind für uns Menschen nur die Obertöne hörbar.
Die Saite selbst strahlt auf Grund ihrer metallischen Qualität vor allem die höheren Frequenzen (ca. ab menschlichem Sprachbereich) direkt ab und ähnelt im Verhalten einem Schnurtelefon.
Die tiefen Frequenzen werden mit einem eigens entwickelten optischen Wandlersystem erfasst, per Computer in Klang rückübersetzt und über ein spezielles Lautsprechersystem in den Raum verstärkt.
Bei der Installation der Saite wird in aller Regel ein Raummaß aufgegriffen. Damit ist die Grundresonanz der Langsaite bestimmt. Jeder Raum hat eigene charakteristische Resonanzen, was vereinfacht übersetzt bedeutet: bestimmte Frequenzen/Spektren werden verstärkt oder bedämpft, wenn diese durch die Saite angespielt/angeregt werden. Der Klangraum/Resonanzraum ist hier im direkten Sinne die Hülle für den Klang, den die Saite abstrahlt. Es entsteht eine Wechselwirkung zwischen klingender Saite und Raumresonanz.

Soundentwurf „Und da war ein Wind:“(Lucien Hirth, Reims, ehem. Zwangsarbeiter in Farge und Überlebender +2008)

Das Luftbild zeigt den U-Bootbunker «Valentin» im nördlichsten Stadtteil Farge von Bremen. Bei dem Bunker handelt es sich um einen der größten Bunkerbauten aus dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Der Betonklotz wurde von Zwangsarbeitern erbaut und fast fertiggestellt. Bei dem Bau verloren über tausend Zwangsarbeiter ihr Leben. Zur Gedenkstätte Foto: Olliku

Konferenz der Systeme









Ein Projekt von Jonas Hummel und Jens Carstensen

geplant für Frühjahr 2022

mit (angefragt):

Ralf Schreiber (Köln) – http://ralfschreiber.com
Hannes Hoelzl (Berlin) – http://www.earweego.net/
Niko LFO (Berlin) – https://nikolfo.com/
Lukas Truniger (Lille, F) – http://lukastruniger.net/
Tim Shaw (Newcastle, UK) – https://tim-shaw.net/
Echo Ho (Bejing, Köln) – https://goechospace.com/

„Konferenz der Systeme“ ist geplant als eine begehbare Installation und Klangperformance z.B. in leerstehenden innerstädtischen Kaufhäusern, alten ausgedienten Industriehallen oder ähnlichem mit ihrer jeweils spezifischen Infrastruktur. Diese Orte entwickeln nun im beginnenden Zeitalter der vernetzten Dinge ein Eigenleben.

In der Tradition von John Cage und David Tudor installieren wir Klangobjekte im Raum, nutzen von Tonfunkensender bis Überwachungssystem Schaltkreise, um elektrische Signale sichtbar und elektromagnetische Felder hörbar zu machen.

Im Sinne der Politik der Spektren geht es bei der Konferenz der Systeme auch um die Kapitalisierung freundlichster Frequenzgemische in Abgrenzung zum sogenannten Unsound, dem Geräusch. Ein Klang ist ein Klang ist ein Klang. Und sonst nichts! Oder?

Eine Antwort des Translokalen Rundfunkorchesters u.a.mit Jonas Hummel und  Lukas Truninger